wir möchten Sie hiermit herzlich zu unserem nächsten Kommunikationsabend einladen:
Energiekrisen und Energiewende – Welche Wege führen in eine gute Energie-Zukunft? Donnerstag, 17. September, 18 Uhr bei der VSE, Heinrich-Böcking-Straße 10-14, Saarbrücken
Erst Ukraine, dann Iran. Auf eine Energiekrise folgt die nächste. Gas- und Spritpreise steigen. Es droht ein teurer Winter. Die Abhängigkeit von Gas und Öl belastet immer mehr. Und die Energiewende? Sie geht den einen zu langsam, den anderen zu schnell. Die Herausforderungen sind groß, ob Dunkelflaute, negative Strompreise, stockender Netzausbau oder steigender Strombedarf. Und mittendrin in dieser unübersichtlichen Welt das Saarland, wo der Wohlstand von Industrien abhängt, die im Strukturwandel-Stress auf günstige Energie angewiesen sind. Wie kann hier für heute und morgen eine zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung gelingen? Wohin steuert die hiesige Energiewirtschaft? Und welche Rolle hat die Politik? Dr. Hanno Dornseifer, Vorstandsmitglied des Saarbrücker Versorgers VSE, wird seine Antworten auf die drängendsten Fragen rund um Energie darlegen und mit uns diskutieren.
Wir bitten um Anmeldung bis zum 15. September. Eine Anmeldung ist den Mitgliedern des Presseclubs und seinen Trägerorganisationen SJV, LPK und VSS vorbehalten. Senden Sie dazu bitte eine E-Mail mit Ihrem Namen und Ihrer Mitgliedschaft an info@presseclub-saar.de. Eine Anmeldung per Telefon ist aus organisatorischen Gründen nur in Ausnahmefällen möglich. Der Eintritt ist kostenlos
Steht die Konzert-Kultur im Saarland auf der Kippe? Mit dieser Frage hat sich der Presseclub Saar an einem Ort befasst, der Sinnbild dafür ist. Im Kleinen Klub der Garage finden keine Konzerte mehr statt und die Zukunft der Garage als Konzertspielstätte ist in Gänze ungewiss.
Rund anderthalb Stunden diskutierten Garagen-Betreiber Heiko Renno, Thilo Ziegler (Rocco del Schlacko), Sebastian Biewer (Studio 30), Kai Jorzyk (Popp Concerts) und Trixi Hussong (Den Atelier, Luxemburg) zusammen mit Moderator Markus Brixius (Popscene Magazin) und Co-Moderatorin und Presseclub-Präsidentin Nina Zapf-Schramm über den Zustand der saarländischen Konzertbranche. Das Ergebnis war ernüchternd, aber nicht ohne Lichtblicke.
Die Probleme sind bekannt, aber in ihrer Kombination erdrückend: explodierende Gagen und Betriebskosten, ein verändertes Ausgehverhalten nach Corona, demografischer Wandel und wirtschaftliche Schwäche der Region. Das Rocco del Schlacko, jahrelang das größte Musikfestival des Saarlandes, hat diese Grenzen zuerst erreicht. Im vergangenen Jahr fand es zum letzten Mal statt. Für Gründer Thilo Ziegler war es keine Kapitulation, sondern eine nüchterne Kalkulation: Höhere Ticketpreise hätten das Festival zu einem Erlebnis für wenige gemacht. Das sei nie sein Anspruch gewesen, sagt er.
Heiko Renno betreibt die Garage seit über 20 Jahren. Seit 2003 habe sich die Miete verfünffacht, die Kosten für Technik, Security und Künstlergagen seien explodiert. Wenn er für den Abend nicht 800 bis 1.000 Besucher zieht, brauche er gar nicht erst aufsperren. Sebastian Biewer vom deutlich kleineren Studio 30 arbeitet für die Location nebenberuflich. Ein Drittel seiner Veranstaltungen sei defizitär. Das Bundesförderprogramm „Live 500″ könnte zwar einen Zuschuss von 250 Euro pro Veranstaltung beisteuern. Sei aber praxisfern. Die Diversitätsvorgaben seien mit der realen Bewerberlage vieler Konzerte gar nicht vereinbar.
Was die Diskussion besonders aufheizte, war nicht die wirtschaftliche Lage allein, sondern die politische Gleichgültigkeit ihr gegenüber. Heiko Renno berichtete, die saarländische Kulturministerin habe ihm bei einem Gespräch erklärt, seine Branche sei „gar keine Kultur“. Wohl aus Angst, Geld geben zu müssen, meint Renno. „Ein bekacktes Bekenntnis zu unserer Arbeit hätte nichts gekostet“, schimpft er.
Jahrzehntelang habe sich die Branche selbst finanziert, ohne den Staat zu belasten. Jetzt, da strukturelle Unterstützung gefragt wäre, bleibt sie dennoch aus. „Es heißt dann gerne: Die arbeiten ja gar nicht defizitär“, klagt auch Kai Jorzyk.
Den schärfsten Kontrast lieferte Trixi Hussong mit ihrem Blick über die Grenze. In Luxemburg ist nach ihren Beschreibungen Konzert-Kultur erklärter Standortfaktor: Der Staat investiert in Spielstätten, fördert Nachwuchsprogramme und begreift Rock und Pop ausdrücklich als Teil des kulturellen Angebots, mit dem man gut ausgebildete Menschen im Land hält. Es fließe zwar die meiste Förderung in die Philharmonie, „aber trotzdem sind Rock und Pop nicht das Stiefkind“. Diese Szene sei „politisch viel mehr gewollt“ als im Saarland. Was im Saarland fehlt – Infrastruktur, Graswurzelförderung, politisches Bekenntnis – ist dort selbstverständlich.
Der Tenor am Ende des Abends: Der Kipp-Punkt ist nah, bei manchen Faktoren bereits überschritten. Doch aus dem Publikum, das mit vielen Branchenkennern besetzt war, kamen auch konstruktive Impulse. Ideen wie ein Nacht-Bürgermeister, Abo-Modelle für Clubs, Kneipenkonzerte, Dorf-Open-Airs, neue Veranstaltungsformate zeigen, dass Kreativität Strukturen ersetzen kann, wo Politik versagt.
„KI und Journalismus: Zwischen Werkzeug, Waffe und Wettbewerber“ lautete der Titel des Kommunikationsabends mit Dr. Kevin Baum vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) im Saarrondo. Der Informatiker und Philosoph Baum machte vor 25 Interessierten deutlich, wie hilfreich KI für den Journalismus sein kann. Sie könne bei der Auswertung großer Datenmengen unterstützen, Interviews transkribieren oder Texte übersetzen. Doch der Forscher warnte zugleich vor einem unkritischen Einsatz: „Werkzeuge sind nützlich, aber nie neutral.“ Wer sich zu stark auf KI-Assistenz verlasse, riskiere den Verlust eigener Fähigkeiten. Außerdem unterschätze man leicht den Aufwand für den KI-Einsatz und mache sich Illusionen über deren Effizienz.
Bedrohlicher erscheint KI dort, wo sie gezielt als Waffe eingesetzt wird. Journalistinnen und Journalisten gehören Baum zufolge zu den Hauptzielgruppen von Deepfakes und strategischen Desinformationskampagnen. Solche Angriffe können selbst dann negative Folgen haben, wenn Journalisten nicht direkt Opfer werden. Journalisten, die von Attacken erfahren, können davor zurückschrecken, bestimmte Themen aufzugreifen, und sich selbst zensieren.
Eine weitere Form des Angriffs auf den Journalismus beschrieb Baum mit dem vom ehemaligen Trump-Berater Steve Bannon geprägten Prinzip „Flood the zone with shit“. Gemeint ist die Strategie, die öffentliche Aufmerksamkeit mit immer neuen Aufregern, Halbwahrheiten und Skandalisierungen zu überfluten, damit kaum noch jemand Zeit und Kraft hat, das große Ganze zu betrachten. KI könne diese Dynamik massiv beschleunigen.
Ein zentrales Thema des Abends war deshalb das Vertrauen. „Manche Leute haben Interesse daran, dass die Vertrauensinfrastruktur der Gesellschaft nicht funktioniert“, sagte Baum. Journalisten seien ein wichtiger Teil dieser Vertrauensinfrastruktur. Deshalb würden sie ins Visier genommen. Vertrauen zu zerstören sei viel leichter, als es aufzubauen. In einer von widersprüchlichen Erzählungen und manipulierten Inhalten überfluteten Öffentlichkeit müsse eine einzelne Lüge nicht einmal geglaubt werden, um Wirkung zu entfalten. Es reiche, wenn am Ende Unsicherheit darüber entstehe, was überhaupt noch stimmt. Der dritte Punkt im Dreiklang des Abends betraf KI als Wettbewerber des Journalismus. Baum warnte davor, dass KI-Systeme künftig selbst zur zentralen Schnittstelle für Nachrichten werden könnten. Wenn Chatbots Informationen zusammenfassen und Antworten liefern, ohne dass Nutzerinnen und Nutzer die ursprünglichen journalistischen Angebote aufrufen, geraten die Geschäftsmodelle der Medien weiter unter Druck. Ganz neu sei diese Entwicklung nicht: Soziale Netzwerke hätten die Gatekeeper-Funktion teilweise von Redaktionen auf Algorithmen verlagert. KI verschärfe diese Entwicklung jedoch, weil die Versuchung groß sei, den Klick auf die Originalwebsite zu unterlassen und dem KI-Ergebnis zu trauen. Baum plädierte dafür, neu darüber nachzudenken, wie Journalismus künftig finanziert werden kann. Denkbar sei etwa, dass Anbieter von KI-Modellen Vergütungen an Verwertungsgesellschaften wie die VG Wort zahlen. Schließlich seien viele Modelle mit journalistischen Texten trainiert worden, ohne dass diejenigen, die diese Inhalte erstellt haben, dafür angemessen entlohnt worden seien.