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Peter Müller: „Zeitenwende – Wohin?“

Der frühere saarländische Ministerpräsident und ehemalige Bundesverfassungsrichter Peter Müller gibt einem Verbotsverfahren für die AfD nur geringe Erfolgschancen. „Das ist juristisch ein scharfes Schwert, allerdings mit einer doppelten Klinge, mit der man sich auch ins eigene Fleisch schneiden kann“, sagt er anlässlich eines Vortrags- und Diskussionsabends des Presseclubs Saar im Kulturcafé Kunstherz in der Modernen Galerie in Saarbrücken. „Zeitenwende – Wohin?“ war Thema des Abends. Moderiert wurde die Veranstaltung von dem früheren Presseclub-Präsident Lothar Warscheid.

Ein AfD-Verbotsverfahren habe nur eine Erfolgschance, „wenn die Kläger den unwiderlegbaren Beweis erbringen, dass die Partei den festen politischen Willen hat, die freiheitlich demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland abzuschaffen und sie durch ein autoritäres und deutschnationales Regime zu ersetzen“, sagte Müller. Der 1100 Seiten starke Bericht des Bundesverfassungsschutzes, der zu dem Ergebnis kommt, dass die AfD „eine gesichert rechtsextremistische Partei“ sei, „gibt das nicht her“, so der Einser-Jurist – „und ich habe den ganzen Bericht gelesen.“

Obwohl der politische Umgang mit der AfD ein wichtiges Thema des Abends äußerte sich Müller im Gespräch mit Moderator und Publikum noch zu vielen anderen Fragen. Die Rebellion der jungen Abgeordneten in der CDU-Fraktion gegen die Rentenpläne der Bundesregierung fand er gut, „da bislang nur Rentenpolitik auf dem Rücken der jungen Generation gemacht wurde“. Beim Thema Migration, mit dem sich Müller schon seit Jahrzehnten beschäftigt, vermisst er nach wie vor klare Strukturen, Vorgaben und Kompetenzen. „Wir brauchen Zuwanderung, um unsere Gesellschaft überhaupt am Laufen zu halten. Wer die Spielregeln unseres Zusammenlebens jedoch ablehnt, hat auf Dauer in unserem Land nichts verloren.“

Der 70-Jährige ist weiterhin gut ausgelastet, wie er seinem Publikum verriet. Er schreibt Gutachten wie zuletzt zum kommunalen Finanzausgleich, sitzt in Stiftungs-Kuratorien sowie diversen Vorständen und unterstützt weiterhin den FV Eppelborn, den Fußballverein seiner Heimatgemeinde. „Auch zu ehemaligen politischen Weggefährten und Kollegen pflege ich regelmäßig Kontakt“, verriet Müller. Dazu gehören auch drei Skatrunden mit (hoffentlich) „gut Blatt“.  

Neues Team für den Presseclub Saar

Auch im Jubiläumsjahr des Presseclub Saar stand eine turnusmäßige Mitgliederversammlung an. Die fand am vergangenen Freitag im fast bis zum letzten Platz gefüllten Wintergarten des Mercure Hotel Saarbrücken City statt – und sie war keine gewöhnliche Mitgliederversammlung.

Foto: Kai Florian Becker

Sinnbildlich für die vielen Baustellen rund um das Mercure Hotel galt es, einen nahezu komplett neuen Vorstand zu finden und zu wählen. Denn viele der bis dahin Amtierenden nahmen das 50. Jahr des Presseclubs zum Anlass, neuen und teils auch jüngeren Kräften Platz zu machen. Von daher hatten am Freitag Präsident Lothar Warscheid, die Vizepräsidenten Guido Peters und Dieter Gläsener (auch Schatzmeister) und Beisitzer Jörg Hektor ihre letzten ehrenamtlichen Auftritte. Auch die Beisitzer Johannes Schleuning und Dominique Rossi, die nicht anwesend sein konnten, traten nicht mehr an. Es schien anfangs eine sehr schwierige Aufgabe zu sein, einen neuen Vorstand zu finden. Ein Ehrenamt zu übernehmen, ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr. Insofern war die bisherige Beisitzerin Ulrike Jungmann froh, dass sich innerhalb weniger Wochen ein hoch motiviertes neues Team um sie scharte.

Teile des alten Vorstands – Foto: Kai Florian Becker

Künftige Präsidentin ist SZ-Wirtschaftsredakteurin sowie LPK- und SJV-Mitglied Nina Zapf-Schramm. Sie ist damit die erste Präsidentin in der 50-jährigen Geschichte des Presseclub Saar. Neuer 1. Vizepräsident ist Volker Meyer zu Tittindgorf (SJV), stellvertretender IHK-Pressesprecher, und 2. Vizepräsident ist der Journalist und PR-Experte Pascal Blum (VVS). Ulrike Jungmann ist jetzt Schatzmeisterin, Karin Butenschön (SJV), Julia Franz (SJV, VSS) und Friederike Meyer zu Tittingdorf (SJV) fungieren als Beisitzerinnen. Sie alle wurden mit überwältigender Mehrheit gewählt und freuen sich darauf, in die großen Fußstapfen ihrer Vorgänger zu treten und den Presseclub Saar weiterhin als Schnittstelle zwischen Journalismus auf der einen und Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und Sport auf der anderen Seite zu etablieren.

Der neue Vorstand (v.l.n.r.): Pascal Blum, Friederike und Volker Meyer zu Tittingdorf, Nina Zapf-Schramm,
Julia Franz, Ulrike Jungmann (nicht anwesend: Karin Butenschön) – Foto: Kai Florian Becker

„Orte des Austauschs, der Reflektion, der Begegnung“

Seit Mai ist Lisa Felicitas Mattheis Direktorin des Saarlandmuseums und des Museums für Vor- und Frühgeschichte. Inzwischen ist die aus Kaiserslautern stammende Frau in der saarländischen Kulturszene angekommen. Sie hat eigene Vorstellungen hinsichtlich der Rolle von Museen in der heutigen Zeit. „Sie sind für mich ein Resonanzraum“, sagte sie vor Mitgliedern des Presseclubs Saar, der sie eingeladen hatte, um über ihre Arbeit zu erzählen und ihre Vorstellungen darzulegen. „Museen im Saarland – Wie kann hohe Kunst Besucher anlocken?“ war Thema des Abends. Was bedeutet Resonanzraum? „Ich sehe Museen als Orte des Austauschs, der Reflektion, der Begegnung sowie als Stätten der gemeinschaftlichen Erfahrung“, sagte sie. „Sie sollen die Themen unserer Zeit aufgreifen, aber auch ein Ort der Freude sein.“ Den Begriff der „hohen Kunst“ relativierte Mattheis an dem Abend. Die Ausstellungen sollen „vielmehr im Einklang mit den Lebenswelten der Besucher stehen. Die Menschen müssen sich wiederfinden.“ Denn „Kunst findet mitten unter uns statt“.

Mattheis ist darüber hinaus kunst- und kulturwissenschaftliche Vorständin der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz. Sie ist damit auch für die Alte Sammlung am Saarbrücker Schlossplatz, das Museum in der Schlosskirche, die Römische Villa Nennig und das Deutsche Zeitungsmuseum in Wadgassen zuständig. Eine Verbindung zwischen diesen unterschiedlichen Ausstellungsorten zu schaffen und dennoch deren Charakter zu bewahren, „ist eine große Herausforderung, der ich mich jedoch gerne annehme“.

Die 40-Jährige kann schon einiges vorweisen. Nach einem Studium der Kunstgeschichte, Medienwissenschaft und Betriebswirtschaftslehre in Trier und Madrid war sie zunächst an der Kunsthalle Mannheim, dem Sprengel Museum Hannover und der Kunsthalle Emden tätig, zuletzt als wissenschaftliche Direktorin und Vorständin der Stiftung Henri und Eske Nannen und der Schenkung Otto van de Loo. Henri Nannen war Gründer des Nachrichtenmagazins „Der Stern“ und hat in seiner Heimatstadt Emden eine beachtliche Kunstsammlung aufgebaut.